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Ein Spektrum zeigt, aus welchen Wellenlängen elektromagnetischer Strahlung das Licht eines astronomischen Objekts zusammengesetzt ist und wie stark das Objekt bei den verschiedenen Wellenlängen strahlt.
Sehr vereinfacht:
$\text{Spektrum}=\text{Intensität der Strahlung in Abhängigkeit von der Wellenlänge}$
Mathematisch kann man schreiben: $I=I(\lambda)$ mit
Ein astronomisches Bild beantwortet hauptsächlich die Fragen:
Ein Spektrum beantwortet dagegen Fragen wie:
Die Spektroskopie gehört deshalb zu den wichtigsten Untersuchungsmethoden der modernen Astronomie.
Stellen wir uns einen Stern vor.
Von ihm gelangt elektromagnetische Strahlung zu unserem Teleskop:
$\text{Stern}\rightarrow\text{Teleskop}\rightarrow\text{Spektrograf}\rightarrow\text{Detektor}$
Im Spektrografen wird das Licht nach seiner Wellenlänge zerlegt.
Dazu verwendet man beispielsweise:
Das Prinzip ähnelt einem Regenbogen.
Unterschiedliche Wellenlängen werden unterschiedlich stark abgelenkt:
Rot
/
Sternlicht -> Gitter -- Grün
\
Blau
Der Detektor misst anschliessend, wie viel Strahlung bei jeder Wellenlänge vorhanden ist.
Im sichtbaren Bereich kann ein Spektrum wie ein Regenbogen dargestellt werden:
Violett Blau Grün Gelb Rot
|----------|----------|----------|----------|
400 nm 700 nm
Mathematisch ungefähr: $400~\mathrm{nm}\lesssim\lambda\lesssim700~\mathrm{nm}$
In diesem farbigen Spektrum können beispielsweise dunkle Linien auftreten:
Violett Blau Grün Gelb Rot
████████│██████████│██████│████████████│████████
↑ ↑ ↑ ↑
Absorptionslinien
Solche Linien findet man beispielsweise im Spektrum der Sonne.
Wissenschaftlich wird dasselbe Spektrum meistens als Diagramm dargestellt.
Auf der horizontalen Achse steht beispielsweise: $\lambda$ also die Wellenlänge.
Auf der vertikalen Achse steht beispielsweise: $I$ also die Intensität.
Schematisch:
Intensität I
↑
|
| ________
| / \
| / | \
| / | \
|___________/________|_______\________→ Wellenlänge λ
↓
Absorptionslinie
Damit wird ein Spektrum zu einer mathematischen Funktion: $I=I(\lambda)$
Elektromagnetische Strahlung kann durch ihre Wellenlänge $\lambda$ oder ihre Frequenz $\nu$ beschrieben werden.
Zwischen beiden Grössen besteht die Beziehung:
$c=\lambda\nu$
mit der Lichtgeschwindigkeit:
$c\approx3.0\cdot10^8,\mathrm{m/s}$
Daraus folgt:
$\nu=\dfrac{c}{\lambda}$
Ein Photon besitzt die Energie:
$E=h\nu$
Mit
$\nu=\dfrac{c}{\lambda}$
ergibt sich:
$E=\dfrac{hc}{\lambda}$
Damit gilt:
$\text{kleine Wellenlänge}\Rightarrow\text{grosse Photonenergie}$
und:
$\text{grosse Wellenlänge}\Rightarrow\text{kleine Photonenergie}$
Das sichtbare Licht ist nur ein kleiner Teil des elektromagnetischen Spektrums.
Schematisch:
lange Wellenlänge kurze Wellenlänge
Radio -> Mikrowellen -> Infrarot -> sichtbar -> UV -> Röntgen -> Gamma
kleine Energie grosse Energie
Astronomische Spektren werden deshalb in vielen Bereichen aufgenommen:
Das sichtbare Spektrum umfasst ungefähr:
$400,\mathrm{nm}\lesssim\lambda\lesssim700,\mathrm{nm}$
Dabei gilt ungefähr:
400 nm 700 nm
↓ ↓
Violett -> Blau -> Grün -> Gelb -> Orange -> Rot
Für das Verständnis astronomischer Spektren sind drei Grundtypen besonders wichtig:
Ein kontinuierliches Spektrum enthält über einen bestimmten Bereich hinweg praktisch alle Wellenlängen.
Als Farbband:
████████████████████████████████████████
Violett Rot
Als Diagramm beispielsweise:
Intensität
↑
| /\
| / \
| / \
|___________/______\____________→ λ
Ein heisser dichter Körper erzeugt näherungsweise ein thermisches kontinuierliches Spektrum.
Ein gutes physikalisches Modell dafür ist der Schwarze Körper.
Sterne zeigen näherungsweise ein solches thermisches Kontinuum.
Allerdings befinden sich darüber zahlreiche Absorptionslinien.
Die Intensitätsverteilung eines idealen Schwarzen Körpers wird durch das Plancksche Strahlungsgesetz beschrieben:
$B_{\lambda}(T)=\dfrac{2hc^2}{\lambda^5}\dfrac{1}{\exp\left(\dfrac{hc}{\lambda kT}\right)-1}$
Dabei bedeuten:
Für das grundlegende Verständnis ist zunächst besonders wichtig:
Die Form des kontinuierlichen Spektrums hängt von der Temperatur ab.
Mit zunehmender Temperatur verschiebt sich das Maximum der Schwarzkörperstrahlung zu kleineren Wellenlängen.
Das beschreibt das Wiensche Verschiebungsgesetz:
$\lambda_{\mathrm{max}}T=b$
mit ungefähr:
$b=2.898\cdot10^{-3},\mathrm{m,K}$
Damit:
$\lambda_{\mathrm{max}}=\dfrac{2.898\cdot10^{-3},\mathrm{m,K}}{T}$
Ein heisser Stern besitzt daher sein Strahlungsmaximum bei kürzeren Wellenlängen als ein kühler Stern.
Schematisch:
Intensität
↑
| heiss
| /\
| / \
| / \ kühl
| / \ /\
|___/________\________/ \________→ λ
kurz lang
Wenn kontinuierliches Licht durch kühleres Gas läuft, absorbieren Atome oder Moleküle bestimmte Wellenlängen.
Schematisch:
kontinuierliches Licht
↓
kühles Gas
↓
Spektrum mit dunklen Linien
Als Farbband:
████│████████│█████│██████████│████
↑ ↑ ↑ ↑
dunkle Absorptionslinien
Als Diagramm:
Intensität
↑
| ______ ______
|_______/ \__/\__/ \____
| ↑
| Absorptionslinie
+--------------------------------→ λ
Ein Sternspektrum besteht deshalb häufig näherungsweise aus:
$\text{Sternspektrum}=\text{thermisches Kontinuum}+\text{Absorptionslinien}$
Ein heisses beziehungsweise angeregtes dünnes Gas kann selbst elektromagnetische Strahlung bei bestimmten Wellenlängen aussenden.
Es entstehen Emissionslinien.
Schematisch:
Intensität
↑
| | |
| | | | |
|_____|____|_________|_______|______→ λ
Im Farbspektrum erscheinen einzelne helle Linien vor dunklem Hintergrund.
Emissionsspektren treten beispielsweise auf bei:
Die Ursache liegt in der Quantenphysik.
Elektronen in einem Atom dürfen nicht beliebige Energien besitzen.
Sie können nur bestimmte Energieniveaus einnehmen:
Energie
↑
E3 -----------------
↑ ↓
E2 -----------------
↑ ↓
E1 -----------------
Ein Elektron kann beispielsweise vom Energieniveau $E_1$ zum Energieniveau $E_2$ wechseln.
Dazu benötigt es genau die Energiedifferenz:
$\Delta E=E_2-E_1$
Ein Photon besitzt die Energie:
$E_{\gamma}=h\nu$
Für einen atomaren Übergang gilt daher:
$h\nu=E_2-E_1$
Mit
$\nu=\dfrac{c}{\lambda}$
ergibt sich:
$\dfrac{hc}{\lambda}=E_2-E_1$
und damit:
$\lambda=\dfrac{hc}{E_2-E_1}$
Das bedeutet:
Jeder bestimmte Übergang zwischen zwei Energieniveaus gehört zu einer bestimmten Wellenlänge.
Ein Elektron befindet sich zunächst beispielsweise im Zustand $E_1$.
Trifft ein Photon mit exakt passender Energie ein:
$E_{\gamma}=E_2-E_1$
kann das Photon absorbiert werden.
Das Elektron springt nach oben:
$E_1\rightarrow E_2$
Das Photon fehlt danach im beobachteten Licht.
Im Spektrum entsteht deshalb bei der entsprechenden Wellenlänge eine dunkle Absorptionslinie.
Ein Elektron kann sich zunächst in einem angeregten Zustand $E_2$ befinden.
Beim Übergang:
$E_2\rightarrow E_1$
wird Energie frei:
$\Delta E=E_2-E_1$
Diese Energie kann als Photon ausgesendet werden:
$E_{\gamma}=h\nu$
Dadurch entsteht bei genau dieser Wellenlänge eine helle Emissionslinie.
Jedes chemische Element besitzt andere Energieniveaus.
Deshalb besitzt jedes Element ein charakteristisches Muster von Spektrallinien.
Schematisch:
Wasserstoff:
| | |
------|-------------|-----------|------
Helium:
| | | | |
---|-------|----|--------------|----|--
Natrium:
||
--------------------||-----------------
Man kann deshalb das Spektrum eines Sterns mit Laborspektren vergleichen.
Damit lassen sich Elemente identifizieren, beispielsweise:
Ein Spektrum funktioniert damit gewissermassen wie ein Fingerabdruck der Materie.
Besonders wichtig ist die Balmer-Serie des Wasserstoffs.
Einige wichtige Linien sind:
$H\alpha:\lambda\approx656.3,\mathrm{nm}$
$H\beta:\lambda\approx486.1,\mathrm{nm}$
$H\gamma:\lambda\approx434.0,\mathrm{nm}$
$H\delta:\lambda\approx410.2,\mathrm{nm}$
Die $H\alpha$-Linie liegt im roten Bereich des sichtbaren Spektrums.
Sie ist in der Astronomie ausserordentlich wichtig.
Sie wird beispielsweise zur Untersuchung von:
verwendet.
Aus astronomischen Spektren lassen sich erstaunlich viele Eigenschaften eines Objekts ermitteln.
Dazu gehören:
Besonders wichtig ist die Position einer Spektrallinie.
Angenommen, im Labor kennt man eine Linie eines Elements bei: $\lambda_0$
Findet man dieselbe charakteristische Linienkombination im Sternspektrum, kann man daraus schliessen, dass das entsprechende Element vorhanden ist.
Wichtig: Nicht nur eine einzige Linie, sondern möglichst mehrere Linien eines Elements werden untersucht.
Damit lässt sich die Identifikation wesentlich sicherer machen.
Die Temperatur eines Sterns beeinflusst mehrere Eigenschaften seines Spektrums.
Nach dem Wienschen Verschiebungsgesetz gilt: $\lambda_{\mathrm{max}}T=b$
Ein heisserer Stern besitzt sein Strahlungsmaximum bei kürzeren Wellenlängen.
Auch die Stärke bestimmter Spektrallinien hängt stark von der Temperatur ab.
Der Grund: Die Temperatur beeinflusst, in welchen Energiezuständen sich die Elektronen befinden und wie stark die Atome ionisiert sind.
Deshalb sind verschiedene Spektrallinien bei verschiedenen Sterntemperaturen unterschiedlich stark.
Die klassische Reihenfolge der Spektralklassen lautet:
$O\rightarrow B\rightarrow A\rightarrow F\rightarrow G\rightarrow K\rightarrow M$
Von links nach rechts nimmt die Oberflächentemperatur grundsätzlich ab.
| Spektralklasse | typische Farbe | ungefähre Temperatur |
|---|---|---|
| O | blau | $T>30000,\mathrm{K}$ |
| B | blau-weiss | $10000,\mathrm{K}<T<30000,\mathrm{K}$ |
| A | weiss | $7500,\mathrm{K}<T<10000,\mathrm{K}$ |
| F | weiss-gelblich | $6000,\mathrm{K}<T<7500,\mathrm{K}$ |
| G | gelblich | $5200,\mathrm{K}<T<6000,\mathrm{K}$ |
| K | orange | $3700,\mathrm{K}<T<5200,\mathrm{K}$ |
| M | rötlich | $T<3700,\mathrm{K}$ |
Die Sonne gehört zur Spektralklasse: $G2V$
Dabei bedeutet:
Ein besonders wichtiger Effekt ist die Verschiebung von Spektrallinien durch Bewegung.
Angenommen, eine Spektrallinie besitzt im Labor die Ruhewellenlänge: $\lambda_0$
Bewegt sich das astronomische Objekt von uns weg, wird eine grössere Wellenlänge gemessen: $\lambda_{\mathrm{beobachtet}}>\lambda_0$
Dies nennt man Rotverschiebung.
Bewegt sich das Objekt auf uns zu: $\lambda_{\mathrm{beobachtet}}<\lambda_0$
Dies nennt man Blauverschiebung.
Schematisch:
Ruhelage:
|
-----------------|----------------
Rotverschiebung:
|
-----------------------|----------
Blauverschiebung:
|
-------------|--------------------
Für Geschwindigkeiten, die wesentlich kleiner als die Lichtgeschwindigkeit sind, gilt näherungsweise:
$\dfrac{\Delta\lambda}{\lambda_0}\approx\dfrac{v_r}{c}$
mit: $\Delta\lambda=\lambda_{\mathrm{beobachtet}}-\lambda_0$
Dabei ist:
Daraus folgt: $v_r\approx c\dfrac{\Delta\lambda}{\lambda_0}$
Damit kann man allein durch die Verschiebung der Spektrallinien bestimmen, wie schnell sich ein Stern entlang unserer Sichtlinie bewegt.
Angenommen, eine Linie besitzt im Labor: $\lambda_0=500.0,\mathrm{nm}$
Beobachtet wird: $\lambda=500.1,\mathrm{nm}$
Dann: $\Delta\lambda=500.1,\mathrm{nm}-500.0,\mathrm{nm}$
also: $\Delta\lambda=0.1,\mathrm{nm}$
Damit: $\dfrac{\Delta\lambda}{\lambda_0}=\dfrac{0.1}{500.0}$
also: $\dfrac{\Delta\lambda}{\lambda_0}=0.0002$
Mit: $c\approx300000,\mathrm{km/s}$
ergibt sich näherungsweise: $v_r\approx300000,\mathrm{km/s}\cdot0.0002$
also: $v_r\approx60,\mathrm{km/s}$
Das Objekt entfernt sich damit ungefähr mit: $v_r\approx60,\mathrm{km/s}$ von uns.
Bei weit entfernten Galaxien und Quasaren spielt die kosmologische Rotverschiebung eine zentrale Rolle.
Sie wird definiert als: $z=\dfrac{\lambda_{\mathrm{beobachtet}}-\lambda_0}{\lambda_0}$
Äquivalent gilt: $1+z=\dfrac{\lambda_{\mathrm{beobachtet}}}{\lambda_0}$
Beispiel:
Eine Spektrallinie hat im Ruhesystem: $\lambda_0=500,\mathrm{nm}$
Sie wird beobachtet bei: $\lambda_{\mathrm{beobachtet}}=1000,\mathrm{nm}$
Dann gilt: $z=\dfrac{1000-500}{500}$
also: $z=1.0$
Die beobachtete Wellenlänge ist in diesem Beispiel doppelt so gross wie die Ruhewellenlänge.
Eine reale Spektrallinie besitzt nicht nur eine Position, sondern auch eine Breite.
Schematisch:
Intensität
↑
|
| _______
| / \
|___________/ \___________
← Breite →
Die Linienbreite kann Informationen liefern über:
Atome in einem heissen Gas bewegen sich nicht alle mit derselben Geschwindigkeit.
Ein Teil bewegt sich auf uns zu.
Ein anderer Teil bewegt sich von uns weg.
Dadurch entstehen leicht unterschiedliche Doppler-Verschiebungen.
Das Ergebnis ist eine verbreiterte Spektrallinie.
Je höher die Temperatur, desto grösser ist im Allgemeinen die thermische Geschwindigkeit der Teilchen und desto stärker kann die thermische Linienverbreiterung werden.
Auch die Rotation eines Sterns verbreitert Spektrallinien.
Betrachten wir einen rotierenden Stern:
Stern
← →
eine andere
Seite Seite
Eine Seite des Sterns bewegt sich teilweise auf uns zu.
Dort entsteht eine Blauverschiebung.
Die gegenüberliegende Seite bewegt sich von uns weg.
Dort entsteht eine Rotverschiebung.
Das gesamte Sternlicht enthält beide Beiträge.
Dadurch werden die Spektrallinien breiter.
Aus dieser Verbreiterung lässt sich die projizierte Rotationsgeschwindigkeit bestimmen.
Diese wird häufig als: $v\sin(i)$ angegeben.
Dabei ist:
Magnetfelder können Spektrallinien verändern.
Ein wichtiger Effekt ist der Zeeman-Effekt.
Ohne Magnetfeld kann beispielsweise eine einzelne Linie auftreten:
|
----------|----------
In einem Magnetfeld kann sie sich in mehrere Komponenten aufspalten:
| | |
--------|-|-|--------
Die Stärke der Aufspaltung hängt mit der Stärke des Magnetfeldes zusammen.
Dadurch können astronomische Magnetfelder untersucht werden.
Nicht nur Atome erzeugen charakteristische Spektren.
Auch Moleküle besitzen typische Spektralstrukturen.
Moleküle besitzen zusätzlich zu elektronischen Übergängen unter anderem:
Dadurch entstehen häufig ganze Gruppen von Spektrallinien beziehungsweise Spektralbänder.
Moleküle können dadurch beispielsweise nachgewiesen werden in:
Eine besonders interessante Anwendung ist die Transmissionsspektroskopie.
Ein Exoplanet bewegt sich vor seinem Stern vorbei.
Ein kleiner Teil des Sternlichts durchläuft dabei die Atmosphäre des Planeten.
Schematisch:
Sternlicht ---> Planetenatmosphäre ---> Beobachter
○
●
Bestimmte Wellenlängen werden von der Atmosphäre stärker absorbiert als andere.
Man vergleicht deshalb: $\text{Spektrum während des Transits}$
mit: $\text{Spektrum ausserhalb des Transits}$
Aus den kleinen Unterschieden können Hinweise auf Moleküle und Atome in der Atmosphäre gewonnen werden.
Das Spektrum einer Galaxie ist wesentlich komplizierter als das Spektrum eines einzelnen Sterns.
Eine Galaxie enthält:
Das beobachtete Spektrum ist deshalb eine Überlagerung vieler Komponenten.
Vereinfacht: $\text{Galaxienspektrum}=\text{Sternspektren}+\text{Gasspektren}+\text{weitere Strahlungsquellen}$
Daraus lassen sich beispielsweise bestimmen:
Quasare besitzen häufig auffällige Emissionslinien.
Diese Linien können stark rotverschoben sein.
Hat eine bekannte Linie die Ruhewellenlänge: $\lambda_0$
und wird sie beobachtet bei: $\lambda$
dann kann daraus die Rotverschiebung bestimmt werden: $z=\dfrac{\lambda-\lambda_0}{\lambda_0}$
Gerade bei sehr weit entfernten Quasaren können die Linien so stark verschoben werden, dass ursprünglich ultraviolette Strahlung im sichtbaren oder infraroten Bereich beobachtet wird.
Nicht jedes Spektrum zeigt gleich viele Details.
Eine sehr wichtige Kenngrösse ist die spektrale Auflösung: $R=\dfrac{\lambda}{\Delta\lambda}$
Dabei ist:
Je grösser $R$ ist, desto feinere spektrale Details können erkannt werden.
Angenommen: $\lambda=600,\mathrm{nm}$
und: $R=60000$
Dann gilt: $\Delta\lambda=\dfrac{\lambda}{R}$
also: $\Delta\lambda=\dfrac{600,\mathrm{nm}}{60000}$
und damit: $\Delta\lambda=0.01,\mathrm{nm}$
Der Spektrograf kann in diesem Bereich also Strukturen mit einer charakteristischen Grössenordnung von ungefähr: $0.01,\mathrm{nm}$ trennen.
Schematisch:
Intensität
↑
| ______
| / \
|_______/__________\________→ λ
Gut geeignet beispielsweise für:
Intensität
↑
| |\ /\ | /\ ||
|_______|_\/__\|/__\__||_____→ λ
Gut geeignet beispielsweise für:
Eine weitere wichtige Eigenschaft eines Spektrums ist das Signal-Rausch-Verhältnis.
Es wird häufig geschrieben als: $\mathrm{SNR}=\dfrac{\text{Signal}}{\text{Rauschen}}$ oder: $\mathrm{S/N}=\dfrac{S}{N}$
Ein hohes Signal-Rausch-Verhältnis bedeutet:
Ein niedriges Signal-Rausch-Verhältnis führt dagegen zu starken zufälligen Schwankungen.
Eine wichtige Grösse zur Beschreibung der Stärke einer Spektrallinie ist die Äquivalentbreite.
Sie beschreibt vereinfacht, wie viel Strahlungsfluss durch eine Absorptionslinie fehlt beziehungsweise durch eine Emissionslinie zusätzlich vorhanden ist.
Die Äquivalentbreite enthält mehr Information als nur die maximale Tiefe einer Linie.
Dadurch können unterschiedlich breite Spektrallinien miteinander verglichen werden.
Ein Spektrum kann durch folgende Grössen und Merkmale charakterisiert werden:
Wellenlängenbereich
beispielsweise:
$400,\mathrm{nm}<\lambda<700,\mathrm{nm}$
Kontinuumsverlauf
Wie verändert sich die Intensität $I$ mit der Wellenlänge $\lambda$?
Absorptionslinien
Bei welchen Wellenlängen fehlt Strahlung?
Emissionslinien
Bei welchen Wellenlängen tritt zusätzliche Strahlung auf?
Linienposition
Sie dient insbesondere zur Identifikation von Atomen und Molekülen.
Linienstärke
Sie enthält Informationen über die beteiligte Materie und deren physikalischen Zustand.
Linienbreite
Sie kann Hinweise geben auf Temperatur, Rotation, Druck oder Turbulenz.
Linienverschiebung
Sie ermöglicht unter anderem Geschwindigkeitsmessungen.
Linienform
Sie enthält zusätzliche Informationen über die Geschwindigkeits- und Dichteverteilung.
Spektrale Auflösung
$R=\dfrac{\lambda}{\Delta\lambda}$
$\mathrm{SNR}=\dfrac{S}{N}$
Er gibt an, wie viel Strahlung bei einer bestimmten Wellenlänge gemessen wird.
| Eigenschaft des Spektrums | Physikalische Information |
|---|---|
| Verlauf des Kontinuums | Temperatur |
| Position bestimmter Linien | chemische Elemente und Moleküle |
| Stärke bestimmter Linien | Häufigkeiten und physikalische Bedingungen |
| Verschiebung der Linien | Radialgeschwindigkeit beziehungsweise Rotverschiebung |
| Breite der Linien | Temperatur, Rotation, Druck und Turbulenz |
| Aufspaltung von Linien | Magnetfeld |
| starke Emissionslinien | heisses oder ionisiertes Gas |
| Molekülbanden | vorhandene Moleküle |
| Rotverschiebung $z$ | kosmologische Information |
| Form komplexer Linien | Gasbewegungen und Geschwindigkeitsverteilungen |
Ein häufiger Fehler besteht darin, ein Spektrum lediglich als auseinandergezogenes farbiges Licht zu betrachten.
Der Regenbogen ist nur die anschauliche Darstellung.
Physikalisch viel wichtiger ist die Funktion: $I(\lambda)$
Ein astronomisches Spektrum ist daher letztlich eine Messreihe:
$(\lambda_1,I_1)$ , $(\lambda_2,I_2)$ , $(\lambda_3,I_3)$ $\ldots$ $(\lambda_N,I_N)$
Aus diesen Messwerten wird die Spektralkurve erzeugt.
Ein reales Spektrum kann vereinfacht geschrieben werden als: $I=I(\lambda)$
Es enthält typischerweise: $\text{Kontinuum}+\text{Absorptionslinien}+\text{Emissionslinien}$
Diese Strukturen werden beeinflusst durch:
Hinzu kommen instrumentelle Effekte des Teleskops und des Spektrografen.
Ein normales astronomisches Bild eines Sterns zeigt zunächst vielleicht nur:
*
Daraus erkennen wir unter anderem:
Das Spektrum desselben Sterns könnte dagegen so aussehen:
Intensität
↑
| /\ | /\
|______/ \_____|_________/ \_____→ λ
↑
Spektrallinie
Aus diesem Spektrum können wir unter anderem Informationen gewinnen über:
Man kann deshalb vereinfachend sagen:
$\boxed{\text{Ein Bild zeigt das Objekt - ein Spektrum zeigt seine Physik.}}$
NASA - Types of Spectra: Continuous, Emission and Absorption
https://science.nasa.gov/asset/webb/types-of-spectra-continuous-emission-and-absorption/
Beispiele:
NASA - Spectroscopy 101
Beispiele:
NASA - Types of Spectra and Spectroscopy
Beispiele:
ESA - A star's spectrum explained
https://www.esa.int/ESA_Multimedia/Images/2023/09/A_star_s_spectrum_explained
Beispiele:
ESO - Spectroscopy
https://www.eso.org/public/teles-instr/technology/spectroscopy/
Beispiele:
ESA - Spectroscopy with Webb
https://www.esa.int/ESA_Multimedia/Images/2021/06/Spectroscopy_with_Webb
$\boxed{\text{Elemente und Moleküle besitzen charakteristische Spektren.}}$
NASA - Spectroscopic Observations of Different Wavelengths of Light in Astronomy
$\text{Astronomische Spektroskopie}\neq\text{nur sichtbares Licht}$
Sloan Digital Sky Survey - Spectra
https://voyages.sdss.org/preflight/light/spectra/
Sloan Digital Sky Survey - Galaxy Spectra
https://voyages.sdss.org/expeditions/expedition-to-galaxies/galaxy-properties/galaxy-spectra/
Wie unterscheidet sich das Spektrum einer Galaxie vom Spektrum eines einzelnen Sterns?
SDSS - Gallery of Spectra
https://classic.sdss.org/gallery/gal_spectra.php
Hier befinden sich Spektren von:
SDSS - viele übereinander dargestellte Quasarspektren
https://classic.sdss.org/includes/sideimages/quasar_stack.php
Hier kann man besonders deutlich sehen, wie sich Spektrallinien mit zunehmender Rotverschiebung zu grösseren Wellenlängen verschieben.
Man kann die Erklärung in drei Bildern aufbauen.
*
Stern
Wir empfangen von ihm Licht.
Stern -> Teleskop -> Spektrograf -> Detektor
Der Spektrograf zerlegt das Licht nach der Wellenlänge.
Intensität
↑
| /\ | /\
|______/ \_____|_________/ \_____→ λ
↑
Spektrallinie
Nun kann man auswerten:
Die Lage einer Spektrallinie sagt uns häufig, welcher atomare oder molekulare Übergang vorliegt.
Die Stärke der Linie sagt uns etwas über die Menge und den physikalischen Zustand der Materie.
Die Breite einer Linie kann uns etwas über:
verraten.
Die Verschiebung einer Linie kann Informationen über:
liefern.
Das Kontinuum enthält insbesondere Informationen über die Temperatur und die gesamte Energieverteilung des Objekts.
Ein astronomisches Spektrum ist die Darstellung der von einem Himmelskörper empfangenen elektromagnetischen Strahlung in Abhängigkeit von der Wellenlänge oder Frequenz. Aus der Form des Kontinuums sowie aus Position, Stärke, Breite und Verschiebung der Spektrallinien können zahlreiche physikalische Eigenschaften des Himmelskörpers bestimmt werden.
Noch kürzer:
$\boxed{\text{Ein Spektrum zerlegt das Licht eines Himmelskörpers und macht dadurch seine Physik sichtbar.}}$