Das Hertzsprung-Russell-Diagramm, kurz $HRD$, ist ein Zustandsdiagramm der Sterne. Es zeigt, wie Sterne nach Temperatur, Spektraltyp, Farbe, Leuchtkraft und Entwicklungszustand geordnet sind. Jeder Stern erscheint als ein Punkt im Diagramm. ([Wikipedia][1])
Die waagerechte Achse zeigt Temperatur oder Spektraltyp.
Links stehen heiße, blaue Sterne; rechts stehen kühle, rote Sterne. Die Temperaturachse läuft also meist „umgekehrt“: hohe Temperaturen links, niedrige Temperaturen rechts. ([Wikipedia][2])
Die Spektralklassen lauten meist $O~B~A~F~G~K~M$.
$O$-Sterne sind sehr heiß und blau, $M$-Sterne sind kühler und rot. Die Sonne gehört ungefähr zur Klasse $G2$.
Die senkrechte Achse zeigt Leuchtkraft oder absolute Helligkeit.
Oben stehen sehr leuchtkräftige Sterne, unten lichtschwache Sterne. Bei Magnituden gilt: kleinere oder negative Werte bedeuten größere Helligkeit.
Die meisten Sterne liegen auf der Hauptreihe.
Die Hauptreihe verläuft von links oben nach rechts unten. Links oben liegen heiße, massereiche, sehr leuchtkräftige Sterne; rechts unten liegen kühle, massearme, lichtschwache Sterne. ([Wikipedia][1])
Die Sonne liegt auf der Hauptreihe.
Sie ist ein gewöhnlicher Hauptreihenstern der Spektralklasse $G2$ und gewinnt ihre Energie durch Wasserstofffusion im Kern.
Oberhalb der Hauptreihe liegen Riesen und Überriesen.
Diese Sterne sind bei ähnlicher Temperatur viel heller als Hauptreihensterne, weil sie einen viel größeren Radius besitzen.
Unten links liegen Weiße Zwerge.
Sie sind heiß, aber lichtschwach, weil sie sehr klein sind. Ihre Oberfläche kann sehr heiß sein, aber ihre gesamte abgestrahlte Leistung bleibt gering.
Zwischen Hauptreihe und Riesenast liegt die Hertzsprung-Lücke.
Dort findet man vergleichsweise wenige Sterne, weil Sterne diese Entwicklungsphase relativ schnell durchlaufen. ([Wikipedia][1])
Das HRD zeigt den Entwicklungszustand eines Sterns.
Aus der Position eines Sterns kann man erkennen, ob er ein Hauptreihenstern, Riese, Überriese, Unterriese oder Weißer Zwerg ist. ([leifiphysik.de][3])
Das HRD zeigt, welche Energiequelle im Stern dominiert.
Hauptreihensterne betreiben Wasserstofffusion im Kern. Rote Riesen haben oft Schalenbrennen um einen Kern. Weiße Zwerge erzeugen keine neue Fusionsenergie mehr, sondern kühlen langsam aus.
Das HRD verbindet Beobachtung mit Sternphysik.
Aus Farbe, Spektrum, Entfernung und scheinbarer Helligkeit erhält man Temperatur und absolute Leuchtkraft. Daraus folgt die Position im Diagramm. ESA beschreibt genau diesen Zusammenhang mit Gaia-Daten. ([sci.esa.int][4])
Das HRD erklärt Sternentwicklung.
Sterne bewegen sich im Lauf ihres Lebens durch verschiedene Bereiche des Diagramms. Lange Lebensphasen sind stark besetzt, kurze Übergangsphasen erscheinen dünn besetzt. ([Wikipedia][1])
Das HRD erlaubt Abschätzungen von Radius und Masse.
Aus Leuchtkraft $L$ und Effektivtemperatur $T$ folgt über das Stefan-Boltzmann-Gesetz der Radius $R$:
$L = 4 \pi R^2 \sigma T^4$
Ein Stern kann also hell sein, weil er heiß ist, groß ist oder beides.
Das HRD ist besonders wichtig für Sternhaufen.
Bei Sternhaufen kann man aus dem Abknickpunkt der Hauptreihe das Alter bestimmen: Je weiter oben links noch Sterne auf der Hauptreihe liegen, desto jünger ist der Haufen.
Das HRD macht sichtbar, dass Sterne keine zufälligen Eigenschaften haben.
Sterne verteilen sich nicht beliebig, sondern sammeln sich in klaren Bereichen. Diese Ordnung entsteht durch Gravitation, Gasdruck, Strahlungstransport, Masse und Kernfusion.
Das Hertzsprung-Russell-Diagramm ist eine „Landkarte der Sterne“: Es ordnet Sterne nach Temperatur und Leuchtkraft und zeigt dadurch ihren Aufbau, ihre Größe, ihre Energiequelle und ihren Entwicklungszustand.
[1]: "Hertzsprung-Russell-Diagramm"
[2]: "Hertzsprung–Russell diagram"
[3]: "HERTZSPRUNG-RUSSELL-Diagramm | LEIFIphysik"
[4]: "ESA Science & Technology - The Hertzsprung-Russell diagram"