Die heute am besten gestützte Erklärung ist die Rieseneinschlag-Hypothese:
Ein ungefähr marsgroßer Protoplanet, oft Theia genannt, kollidierte mit der jungen Erde.
Aus ausgeworfenem Material bildeten sich eine Trümmerscheibe um die Erde und daraus schließlich der Mond.
NASA und ESA beschreiben dieses Modell als die führende Erklärung; zugleich bleiben Details wie exakte Einschlagsgeometrie,
Mischungsverhältnis von Erd- und Theia-Material und die genaue Zeitskala weiter Gegenstand der Forschung. ([NASA Science][1])
Kurz nach der Entstehung des Sonnensystems vor etwa $4.5 .. 4.6$ Milliarden Jahren war der innere Bereich kein ruhiger Ort,
sondern von zahlreichen Planetesimalen und Protoplaneten erfüllt.
Diese Körper wechselwirkten gravitativ, kreuzten ihre Bahnen und kollidierten häufig. Genau in dieser späten Phase der
Planetenbildung entstand nach heutigem Verständnis das Erde-Mond-System.
([NASA Science][2])
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Die Erde war damals noch nicht der heutige Planet mit kühler Kruste,
Ozeanen und stabilen Kontinenten. Sie war deutlich heißer,
durch frühere Akkretion bereits stark aufgeheizt und wahrscheinlich teilweise oder
großteils geschmolzen.
Das ist wichtig, weil der spätere Einschlag nicht
auf eine „fertige“ Erde traf, sondern auf einen noch jungen, dynamischen
Planeten.
([NASA Science][1])
Nach dem Standardmodell traf die Proto-Erde auf einen Körper von
ungefähr Mars-Größe. In vielen Beschreibungen wird dieser Impaktor
Theia genannt. Entscheidend war nicht nur seine Größe,
sondern auch die Einschlagsgeometrie:
Modelle favorisieren meist einen schrägen statt einen frontalen Einschlag, weil so
besonders effizient Material in den Erdorbit gelangen kann. ([NASA
Science][1])
Beim Einschlag wurden gewaltige Energiemengen frei. Große Teile des
äußeren Erdmantels und Material des Impaktors wurden geschmolzen oder
verdampft und in den Raum geschleudert. Physikalisch dominierten dabei
Stoßwellen, extreme Kompression, Scherung, Aufschmelzung, partielle
Verdampfung und gravitative Umverteilung des Materials.
Der Mond entstand also nicht als „abgesprengter Brocken“, sondern aus einem
heißen Silikat-Trümmersystem nach
dem Einschlag. ([NASA Science][1])
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Ein Teil des ausgeworfenen Materials fiel sofort zur Erde zurück, ein anderer Teil erreichte Umlaufbahnen um die Erde. Daraus entstand eine zirkumterrestrische Scheibe aus Schmelze, Tröpfchen, Gesteinsdampf und Trümmern. Ältere einfache Vorstellungen einer reinen Teilchenscheibe gelten heute als zu grob; ESA betont, dass die post-impact-Scheibe eher eine Mischung aus Schmelze und Dampf war. ([sci.esa.int][3])
Innerhalb der Roche-Grenze kann sich lockeres Material durch Gezeitenkräfte eines großen Zentralkörpers nur schwer zu einem größeren Mondkörper vereinigen. Für das frühe Erde-Mond-System bedeutete das: Material nahe der Erde blieb zunächst stärker als Scheibe verteilt, während Material außerhalb dieses Bereichs leichter zu größeren Klumpen zusammenwachsen konnte. Diese Gezeitenphysik ist ein zentrales Element moderner Modelle der Mondentstehung.([sci.esa.int][3])
Neuere NASA-besprochene Simulationen deuten darauf hin, dass sich ein großer Teil des Mondes möglicherweise sehr schnell, unter Umständen in Stunden bis sehr kurzer Zeit nach dem Einschlag, aus einem kompakten Trümmerklumpen gebildet haben könnte. Das ersetzt nicht die weitere thermische und dynamische Entwicklung, zeigt aber, dass die erste Mondkondensation möglicherweise deutlich schneller verlief als ältere Szenarien mit rein langsamer Akkretion nahelegten. ([NASA][4])
Nach der ersten Kondensation sammelte der junge Mond weiteres Material aus der Trümmerscheibe ein. Dieser Vorgang heißt Akkretion. Kleine und mittlere Fragmente stießen zusammen, verschmolzen oder wurden gravitativ eingefangen. Dabei wurde weiter Energie frei, sodass der junge Mond zunächst sehr heiß blieb. ([sci.esa.int][3])
NASA beschreibt den neu entstandenen Mond als anfangs molten, also weitgehend geschmolzen. Man spricht von einem globalen Magmaozean. Die Hitze stammte aus mehreren Quellen: aus der Einschlagsenergie, aus der Akkretionsenergie, aus dem Zerfall radioaktiver Isotope und aus starken Gezeitenwirkungen der nahen Erde. ([NASA Science][5])
Im geschmolzenen oder teilweise geschmolzenen jungen Mond trennten sich Stoffe nach Dichte. Dichteres Material sank nach innen, leichteres stieg auf. So bildeten sich die großen inneren Schalen: kleiner Kern, Mantel und später Kruste. NASA betont, dass der Mond heute einen Kern, Mantel und eine Kruste besitzt und sein Kern im Verhältnis kleiner ist als bei anderen Gesteinskörpern. ([NASA Science][5])
Während der Magmaozean abkühlte, kristallisierten Minerale aus. Besonders wichtig war plagioklasreicher, relativ leichter Kristallbrei, der aufschwamm und die frühe helle Kruste bildete. Diese frühe Hochlandkruste ist stark mit Anorthosit verknüpft. NASA und USGS verweisen darauf, dass die Hochländer von anorthositischem Material geprägt sind und dass dies die Magmaozean-Hypothese stützt. Der Großteil dieses globalen Magmaozeans kristallisierte laut NASA innerhalb von etwa $100$ Millionen Jahren aus. ([NASA Science][5])
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Einer der wichtigsten Befunde ist die starke Ähnlichkeit vieler Isotopensignaturen von Erde und Mond, insbesondere bei Sauerstoffisotopen. NASA betont, dass Mondgesteine und Gesteine aus dem Erdmantel bemerkenswerte Ähnlichkeiten zeigen. Das spricht dafür, dass viel Mondmaterial aus dem äußeren Erdmantel stammt oder dass Erd- und Impaktormaterial nach dem Einschlag sehr gründlich vermischt wurden. Neuere geochemische Arbeiten zeigen zugleich, dass es auch feine Unterschiede gibt, etwa bei Vanadium-Isotopen; das hilft, konkurrierende Varianten der Rieseneinschlag-Modelle einzugrenzen. ([NASA Science][1])
Der Mond hat im Verhältnis zur Erde einen kleineren Metallkern. Das passt gut dazu, dass bei der Mondbildung vor allem silikatreiches Mantelmaterial der Erde und/oder des Impaktors in die Scheibe gelangte, während viel eisenreiches Kernmaterial in der Erde blieb. ESA nennt genau dies als wichtigen Prüfstein der Einschlagstheorie. ([esa.int][6])
Unmittelbar nach seiner Entstehung war der Mond deutlich näher an der Erde als heute und erschien deshalb viel größer am Himmel. ESA beschreibt, dass der frisch gebildete Mond mindestens etwa $10$ mal größer gewirkt haben dürfte als heute. In dieser frühen Phase waren die Gezeitenkräfte erheblich stärker. ([lunarexploration.esa.int][7])
Die gegenseitige Gravitation erzeugte extreme Gezeiten. Die Erde verformte den jungen Mond stärker als heute, weil dieser noch heißer, weicher und näher war. Umgekehrt beeinflusste der Mond die junge Erde sehr stark. Diese Gezeiten dissipierten Energie als Wärme und wirkten auf Rotation und Bahn des Systems. NASA erklärt, dass die Gravitationskraft der Erde den Mond selbst heute noch leicht verformt; in der Frühzeit war dieser Effekt viel stärker. ([NASA Science][8])
Im Lauf der frühen Entwicklung bremsten Gezeitenkräfte die Rotation des Mondes, bis er tidal locked war. Seitdem zeigt er der Erde nahezu immer dieselbe Seite. NASA erklärt diesen Zustand durch die enge Kopplung von Rotation und Umlauf. Das ist eine direkte Folge langfristiger Gezeitenwechselwirkungen und gehört zur späteren dynamischen Stabilisierung des Erde-Mond-Systems. ([NASA Science][5])
Ein aktueller Nature-Beitrag von $2024$ schlägt vor, dass der Mond um etwa $4.35$ Milliarden Jahre vor heute durch gezeitengetriebene Erwärmung erneut teilweise aufgeschmolzen wurde. Das könnte erklären, warum einige Proben jüngere „Reset“-Alter zeigen als sehr alte Zirkone und andere frühe Signaturen. Das ist keine Widerlegung der Rieseneinschlag-Hypothese, sondern betrifft die spätere thermische Entwicklung nach der eigentlichen Mondentstehung. ([Nature][9])
Nach der Krustenbildung wurde der Mond massiv von Asteroiden und kleineren Körpern bombardiert. Weil der Mond weder aktive Plattentektonik noch starke Verwitterung wie die Erde besitzt, blieb diese Einschlagsgeschichte dort viel besser erhalten. NASA betont, dass die Mondoberfläche ein Archiv der frühen Geschichte des inneren Sonnensystems darstellt. ([NASA Science][10])
Später stieg Magma aus dem Mondinneren auf und füllte große Einschlagsbecken mit Basaltlava. So entstanden die dunklen Mare. NASA beschreibt, dass der Mond einst vulkanisch aktiv war und von Lava überflutet wurde, auch wenn heute keine aktiven Vulkane mehr ausbrechen. Diese Phase gehört nicht mehr zur eigentlichen Geburt des Mondes, aber zur frühen geologischen Ausgestaltung des fertigen Mondkörpers. ([NASA Science][11])
Der Mond entfernt sich noch heute langsam von der Erde. Direkte Laser-Messungen mit den Apollo-Reflektoren zeigen eine mittlere Zunahme des Abstands von etwa $3.8$ cm/Jahr. Ursache ist der Gezeitenaustausch von Drehimpuls zwischen Erdrotation und Mondbahn. Das heutige Erde-Mond-System ist also weiterhin in Entwicklung. ([eclipse.gsfc.nasa.gov][12])
Als robust gelten heute: ein großer Einschlag auf die junge Erde, Bildung eines heißen Trümmersystems im Erdorbit, ein anfangs weitgehend geschmolzener Mond, rasche frühe Differentiation und eine enge chemische Verwandtschaft zwischen Erde und Mond. NASA formuliert diese Punkte sehr klar, auch wenn einzelne Details des genauen Einschlagsszenarios noch offen sind. ([NASA Science][1])
Weiter diskutiert werden vor allem die exakte Masse und Zusammensetzung von Theia, die konkrete Einschlagsgeschwindigkeit, der genaue Anteil von Erd- gegenüber Impaktormaterial im Mond, die Frage nach sehr schneller versus mehrstufiger Mondakkretion und die Bedeutung späterer erneuter Aufschmelzungsphasen. USGS und neuere Fachliteratur betonen ausdrücklich, dass die Mondentstehung trotz breiter Zustimmung zur Rieseneinschlag-Hypothese in wichtigen Details noch diskutiert wird. ([USGS][13])
Der Hauptkörper des späteren Erde-Mond-Systems; lieferte wahrscheinlich einen großen Teil des silikatischen Materials für den Mond. ([NASA][14])
Der hypothetische, ungefähr marsgroße Einschlagskörper. Ohne diesen Impaktor lässt sich die Entstehung des Mondes im führenden Modell nicht erklären. ([NASA Science][1])
Die heiße Scheibe aus Gesteinsdampf, Schmelze und Bruchstücken, aus der der Mond entstand. ([sci.esa.int][3])
Anfangs heiß, nahe der Erde, weitgehend geschmolzen, später differenziert und gezeitengebunden. ([NASA Science][5])
Asteroiden und kleinere Restkörper prägten nach der eigentlichen Mondbildung Kruste, Becken und Krater. ([NASA Science][10])
Proto-Erde + Theia $\rightarrow$ Rieseneinschlag $\rightarrow$ heiße Trümmerscheibe um die Erde
$\rightarrow$ schnelle Kondensation und Akkretion $\rightarrow$ globaler Magmaozean
$\rightarrow$ Differentiation $\rightarrow$ Krustenbildung
$\rightarrow$ Gezeitenbindung und langsames Entfernen des Mondes bis heute. ([NASA Science][1])
[1]: “Moon Formation - NASA Science”
[2]: “Earth’s Moon - Science@NASA”
[3]: “New results on the formation of the Moon - sci.esa.int”
[4]: “Collision May Have Formed the Moon in Mere Hours, Simulations Reveal - NASA”
[5]: “Moon Facts - NASA Science”
[6]: “ESA - Where did the Moon come from?”
[7]: “Explore - Science - Earth-Moon System - Late Heavy Bombardment”
[8]: “Tidal Locking - NASA Science”
[9]: “Tidally driven remelting around 4.35 billion years ago … - Nature”
[10]: “NASA Science - Impact History of Earth-Moon System”
[11]: “Lunar Volcanism - NASA Science”
[12]: “NASA - Accuracy of Eclipse Predictions”
[13]: “The role of giant impacts in planet formation - USGS.gov”
[14]: “NASA Research Could Reshape Understanding of Moon Formation”
[15]: “Solar System Exploration - Science@NASA”