Das Newtonsche Gravitationsgesetz beschreibt die Anziehungskraft zwischen zwei Massen: $F_G = G \dfrac{m_1 m_2}{r^2}$
Dabei ist:
$F_G$ : die Gravitationskraft in $\mathrm{N}$
$G = 6{.}674 \cdot 10^{-11} \dfrac{\mathrm{N m^2}}{\mathrm{kg^2}}$ : Gravitationskonstante
$m_1$ , $m_2$ : die beiden Massen in $\mathrm{kg}$
$r$ : der Abstand der Mittelpunkte der beiden Körper in $\mathrm{m}$
Das Gesetz sagt: Je größer die Massen sind, desto größer ist die Gravitationskraft.
$F_G \sim m_1$
$F_G \sim m_2$
Je größer der Abstand ist, desto kleiner wird die Kraft.
$F_G \sim \dfrac{1}{r^2}$
Wenn man den Abstand verdoppelt, wird die Kraft viermal kleiner.
$F_G' = G \dfrac{m_1 m_2}{(2r)^2}$
$F_G' = \dfrac{1}{4}F_G$
Wenn man den Abstand verdreifacht, wird die Kraft neunmal kleiner.
$F_G' = \dfrac{1}{9}F_G$
Die Gravitationskraft ist nicht nur eine Zahl, sondern hat auch eine Richtung.
Sie wirkt entlang der Verbindungslinie der beiden Massen und ist immer anziehend.
$\vec{F}_{12} = -G \dfrac{m_1 m_2}{r^2} \vec{e}_r$
Das Minuszeichen zeigt: Die Kraft zeigt zur anderen Masse hin.
Für zwei Körper gilt nach Newtons drittem Gesetz: $\vec{F}*{12} = -\vec{F}*{21}$
Das bedeutet: Körper 1 zieht Körper 2 genauso stark an, wie Körper 2 Körper 1 anzieht.
Die Kräfte sind gleich groß, aber entgegengesetzt gerichtet.
Für einen Planeten auf einer Kreisbahn um die Sonne liefert die Gravitation die Zentripetalkraft.
Die Zentripetalkraft lautet: $F_Z = m \dfrac{v^2}{r}$
Für die Bahngeschwindigkeit gilt: $v = \dfrac{2 \pi r}{T}$
Einsetzen ergibt: $F_Z = m \dfrac{1}{r} \left(\dfrac{2 \pi r}{T}\right)^2$
$F_Z = m \dfrac{4 \pi^2 r^2}{T^2 r}$
$F_Z = m \dfrac{4 \pi^2 r}{T^2}$
Nach Keplers drittem Gesetz gilt: $T^2 \sim r^3$
Also: $F_Z \sim m \dfrac{r}{r^3}$
$F_Z \sim \dfrac{m}{r^2}$
Damit folgt: Die Kraft muss mit dem Quadrat des Abstandes abnehmen.
Für eine zentrale Masse $M$ und einen umlaufenden Körper $m$ ergibt sich: $F_G = G \dfrac{Mm}{r^2}$
Auf der Erde gilt: $F_G = G \dfrac{M_E m}{R_E^2}$
Die Gewichtskraft ist aber auch: $F_G = mg$
Gleichsetzen: $mg = G \dfrac{M_E m}{R_E^2}$
Die Masse $m$ kürzt sich heraus: $g = G \dfrac{M_E}{R_E^2}$
Das erklärt, warum alle Körper im Vakuum gleich schnell fallen.
Gegeben:
$G = 6{.}674 \cdot 10^{-11} \dfrac{\mathrm{N m^2}}{\mathrm{kg^2}}$
$M_E = 5{.}972 \cdot 10^{24} \mathrm{kg}$
$R_E = 6{.}371 \cdot 10^6 \mathrm{m}$
Gesucht: $g$
Rechnung:
$g = G \dfrac{M_E}{R_E^2}$
$g = 6{.}674 \cdot 10^{-11} \dfrac{5{.}972 \cdot 10^{24}}{(6{.}371 \cdot 10^6)^2}$
$g \approx 9{.}82 \mathrm{m/s^2}$
Ergebnis: $g \approx 9{.}81 \mathrm{m/s^2}$
Ein frei fallender Körper wird also jede Sekunde um etwa $9{.}81 \mathrm{m/s}$ schneller.
Gegeben:
$m = 70 \mathrm{kg}$
$g = 9{.}81 \mathrm{m/s^2}$
Gesucht: $F_G$
Rechnung:
$F_G = mg$
$F_G = 70 \cdot 9{.}81$
$F_G = 686{.}7 \mathrm{N}$
Ergebnis: Ein Mensch mit $70 \mathrm{kg}$ erfährt auf der Erde eine Gewichtskraft von ungefähr: $F_G \approx 700 \mathrm{N}$
Gegeben:
$M_E = 5{.}972 \cdot 10^{24} \mathrm{kg}$
$M_M = 7{.}348 \cdot 10^{22} \mathrm{kg}$
$r = 3{.}844 \cdot 10^8 \mathrm{m}$
$G = 6{.}674 \cdot 10^{-11} \dfrac{\mathrm{N m^2}}{\mathrm{kg^2}}$
Gesucht: $F_G$
Rechnung:
$F_G = G \dfrac{M_E M_M}{r^2}$
$F_G = 6{.}674 \cdot 10^{-11} \dfrac{5{.}972 \cdot 10^{24} \cdot 7{.}348 \cdot 10^{22}}{(3{.}844 \cdot 10^8)^2}$
Zuerst der Zähler: $5{.}972 \cdot 10^{24} \cdot 7{.}348 \cdot 10^{22} \approx 4{.}388 \cdot 10^{47}$
Mit $G$: $6{.}674 \cdot 10^{-11} \cdot 4{.}388 \cdot 10^{47} \approx 2{.}928 \cdot 10^{37}$
Nenner: $(3{.}844 \cdot 10^8)^2 \approx 1{.}477 \cdot 10^{17}$
Damit: $F_G \approx \dfrac{2{.}928 \cdot 10^{37}}{1{.}477 \cdot 10^{17}}$
$F_G \approx 1{.}98 \cdot 10^{20} \mathrm{N}$
Ergebnis: $F_G \approx 1{.}98 \cdot 10^{20} \mathrm{N}$
Erde und Mond ziehen sich also mit etwa $198$ Trillionen Newton gegenseitig an.
Gegeben:
$M_S = 1{.}989 \cdot 10^{30} \mathrm{kg}$
$M_E = 5{.}972 \cdot 10^{24} \mathrm{kg}$
$r = 1{.}496 \cdot 10^{11} \mathrm{m}$
Gesucht: $F_G$
Rechnung: $F_G = G \dfrac{M_S M_E}{r^2}$
$F_G = 6{.}674 \cdot 10^{-11} \dfrac{1{.}989 \cdot 10^{30} \cdot 5{.}972 \cdot 10^{24}}{(1{.}496 \cdot 10^{11})^2}$
Produkt der Massen: $1{.}989 \cdot 10^{30} \cdot 5{.}972 \cdot 10^{24} \approx 1{.}188 \cdot 10^{55}$
Mit $G$: $6{.}674 \cdot 10^{-11} \cdot 1{.}188 \cdot 10^{55} \approx 7{.}928 \cdot 10^{44}$
Abstand zum Quadrat: $(1{.}496 \cdot 10^{11})^2 \approx 2{.}238 \cdot 10^{22}$
Also: $F_G \approx \dfrac{7{.}928 \cdot 10^{44}}{2{.}238 \cdot 10^{22}}$
$F_G \approx 3{.}54 \cdot 10^{22} \mathrm{N}$
Ergebnis: $F_G \approx 3{.}54 \cdot 10^{22} \mathrm{N}$
Diese Kraft hält die Erde auf ihrer Bahn um die Sonne.
Für einen fallenden Körper gilt: $F_G = G \dfrac{M_E m}{R_E^2}$
Nach Newtons zweitem Gesetz: $F = ma$
Also: $ma = G \dfrac{M_E m}{R_E^2}$
Die Masse $m$ kürzt sich heraus: $a = G \dfrac{M_E}{R_E^2}$
$a = g$
Das bedeutet:
Ein Körper mit $1 \mathrm{kg}$ und ein Körper mit $100 \mathrm{kg}$ haben im Vakuum dieselbe Fallbeschleunigung.
Der schwere Körper erfährt zwar eine größere Gravitationskraft, aber er hat auch eine entsprechend größere Trägheit.
Für eine Kreisbahn gilt: $F_G = F_Z$
Also: $G \dfrac{M_E m}{r^2} = m \dfrac{v^2}{r}$
Die Satellitenmasse $m$ kürzt sich heraus: $G \dfrac{M_E}{r^2} = \dfrac{v^2}{r}$
Multiplizieren mit $r$: $v^2 = G \dfrac{M_E}{r}$
Also: $v = \sqrt{\dfrac{G M_E}{r}}$
Für einen Satelliten in $400 \mathrm{km}$ Höhe gilt: $r = R_E + h$
$r = 6{.}371 \cdot 10^6 + 4{.}00 \cdot 10^5$
$r = 6{.}771 \cdot 10^6 \mathrm{m}$
Rechnung: $v = \sqrt{\dfrac{6{.}674 \cdot 10^{-11} \cdot 5{.}972 \cdot 10^{24}}{6{.}771 \cdot 10^6}}$
$v \approx 7670 \mathrm{m/s}$
Ergebnis: $v \approx 7{.}67 \mathrm{km/s}$
Ein Satellit in $400 \mathrm{km}$ Höhe muss sich also mit etwa $7{.}7 \mathrm{km/s}$ bewegen.
Die Umlaufzeit ist: $T = \dfrac{2 \pi r}{v}$
Mit: $r = 6{.}771 \cdot 10^6 \mathrm{m}$
$v = 7670 \mathrm{m/s}$
folgt: $T = \dfrac{2 \pi \cdot 6{.}771 \cdot 10^6}{7670}$
$T \approx 5547 \mathrm{s}$
In Minuten: $T = \dfrac{5547}{60}$
$T \approx 92{.}5 \mathrm{min}$
Ein Satellit in etwa $400 \mathrm{km}$ Höhe umkreist die Erde also ungefähr alle $90$ Minuten.
Da die Gravitationskraft konservativ ist, kann man eine potentielle Energie angeben:
$E_\mathrm{pot} = -G \dfrac{Mm}{r}$
Das Minuszeichen bedeutet: Im unendlichen Abstand ist die Energie gleich null.
In der Nähe einer Masse ist sie negativ, weil der Körper gebunden ist.
Herleitung:
Die Kraft lautet: $F(r) = G \dfrac{Mm}{r^2}$
Die potentielle Energie erhält man aus: $E_\mathrm{pot}(r) = - \int_{\infty}^{r} F(r') , \mathrm{d}r'$
Einsetzen: $E_\mathrm{pot}(r) = - \int_{\infty}^{r} G \dfrac{Mm}{r'^2} , \mathrm{d}r'$
$E_\mathrm{pot}(r) = -GMm \int_{\infty}^{r} r'^{-2} , \mathrm{d}r'$
$E_\mathrm{pot}(r) = -GMm \left[-\dfrac{1}{r'}\right]_{\infty}^{r}$
$E_\mathrm{pot}(r) = -G \dfrac{Mm}{r}$
Nahe der Erdoberfläche benutzt man oft: $E_\mathrm{pot} = mgh$
Diese Formel ist eine Näherung der allgemeinen Gravitationsenergie.
Allgemein gilt für eine Höhenänderung von $R_E$ nach $R_E + h$:
$\Delta E_\mathrm{pot} = GM_E m \left(\dfrac{1}{R_E} - \dfrac{1}{R_E + h}\right)$
Für kleine Höhen gilt: $h \ll R_E$
Dann wird daraus: $\Delta E_\mathrm{pot} \approx mgh$
Beispiel:
Ein Körper mit $m = 5 \mathrm{kg}$ wird um $h = 2 \mathrm{m}$ angehoben.
$E_\mathrm{pot} = mgh$
$E_\mathrm{pot} = 5 \cdot 9{.}81 \cdot 2$
$E_\mathrm{pot} = 98{.}1 \mathrm{J}$
Aus dem Gravitationsgesetz kann man Keplers drittes Gesetz herleiten.
Für eine Kreisbahn gilt: $G \dfrac{Mm}{r^2} = m \dfrac{v^2}{r}$
Mit: $v = \dfrac{2 \pi r}{T}$
Einsetzen: $G \dfrac{M}{r^2} = \dfrac{1}{r} \left(\dfrac{2 \pi r}{T}\right)^2$
$G \dfrac{M}{r^2} = \dfrac{4 \pi^2 r}{T^2}$
Umstellen nach $T^2$: $T^2 = \dfrac{4 \pi^2}{GM} r^3$
Damit gilt: $T^2 \sim r^3$
Das ist Keplers drittes Gesetz.
Gegeben:
$r = 1{.}496 \cdot 10^{11} \mathrm{m}$
$M_S = 1{.}989 \cdot 10^{30} \mathrm{kg}$
Gesucht: $T$
Formel: $T = 2 \pi \sqrt{\dfrac{r^3}{G M_S}}$
Rechnung: $T = 2 \pi \sqrt{\dfrac{(1{.}496 \cdot 10^{11})^3}{6{.}674 \cdot 10^{-11} \cdot 1{.}989 \cdot 10^{30}}}$
$T \approx 3{.}16 \cdot 10^7 \mathrm{s}$
Umrechnung in Tage: $T = \dfrac{3{.}16 \cdot 10^7}{86400}$
$T \approx 365 \mathrm{d}$
Das entspricht ungefähr einem Jahr.
Das newtonsche Gravitationsgesetz ist:
- proportional zu beiden Massen: $F_G \sim m_1 m_2$
- umgekehrt proportional zum Quadrat des Abstandes: $F_G \sim \dfrac{1}{r^2}$
- immer anziehend: $\vec{F}*{12} = -\vec{F}*{21}$
- eine Zentralkraft: $\vec{F}_G$ zeigt entlang der Verbindungslinie der Massen
- langreichweitig: Die Kraft nimmt ab, verschwindet aber theoretisch nie vollständig
- konservativ: es gibt eine potentielle Energie: $E_\mathrm{pot} = -G \dfrac{Mm}{r}$
- additiv: mehrere Gravitationskräfte addieren sich vektoriell: $\vec{F}_\mathrm{ges} = \vec{F}_1 + \vec{F}_2 + \vec{F}_3 + \dots$
Das Gesetz funktioniert sehr gut für:
- Planetenbahnen
- Satelliten
- freien Fall
- Mondbewegung
- technische Berechnungen im Sonnensystem
Es ist aber nur eine Näherung.
Bei sehr starken Gravitationsfeldern oder sehr hohen Geschwindigkeiten braucht man Einsteins Allgemeine Relativitätstheorie.
Beispiele dafür sind:
- Merkurperiheldrehung
- Schwarze Löcher
- Gravitationslinsen
- Gravitationswellen
- extrem genaue GPS-Zeitkorrekturen
Newtons Gravitationsgesetz lautet: $F_G = G \dfrac{m_1 m_2}{r^2}$
Es beschreibt, dass zwei Massen einander anziehen.
Die Kraft wächst mit beiden Massen und nimmt mit dem Quadrat des Abstandes ab.
Aus diesem Gesetz folgen Gewichtskraft, Fallbeschleunigung, Satellitenbahnen, Planetenbewegungen und Keplers Gesetze.