Die Gravitation auf der Erde ist diejenige Form der Gravitation, die wir direkt im Alltag erfahren.
Die Gravitation auf der Erde bestimmt:
- Gewicht
- Fallen von Körpern
- Bewegung von Wasser und Atmosphäre
- Gezeiten
- Raketenstarts
- Satellitenbahnen
- Bewegung des Mondes
Die Gravitation der Erde entsteht durch ihre Masse: $M_E = 5{.}972 \cdot 10^{24}\mathrm{kg}$ und wirkt auf alle Körper.
Die Gravitationskraft erzeugt die Erdbeschleunigung: $F = ma$
Setzt man: $F_G = ma$
folgt: $G\dfrac{M_E m}{R_E^2}=ma$
Die Masse $m$ kürzt sich heraus: $g = G\dfrac{M_E}{R_E^2}$
Einsetzen: $g = 6{.}674 \cdot 10^{-11}\dfrac{5{.}972 \cdot 10^{24}}{(6{.}371 \cdot 10^6)^2}$
$g \approx 9{.}81\mathrm{m/s^2}$
Das ist die bekannte Erdbeschleunigung.
$g=9{.}81\mathrm{m/s^2}$ bedeutet:
Die Geschwindigkeit eines frei fallenden Körpers nimmt pro Sekunde um ungefähr $9{.}81\mathrm{m/s}$ zu.
Ein Ball wird fallen gelassen.
Anfangsgeschwindigkeit: $v_0 = 0$
Nach: $t = 3\mathrm{s}$
gilt: $v = gt$
$v = 9{.}81 \cdot 3$
$v \approx 29{.}4\mathrm{m/s}$
Der Ball bewegt sich nach $3\mathrm{s}$ mit ungefähr: $29{.}4\mathrm{m/s}$
Das entspricht: $29{.}4\mathrm{m/s} \approx 106\mathrm{km/h}$
Die Fallstrecke ist: $s = \dfrac{1}{2}gt^2$
Für: $t=3\mathrm{s}$
$s = \dfrac{1}{2}\cdot 9{.}81\cdot 3^2$
$s = 4{.}905\cdot 9$
$s \approx 44{.}1\mathrm{m}$
Ein Körper fällt also in $3\mathrm{s}$ ungefähr: $44\mathrm{m}$
Im Alltag erleben wir Gravitation als Gewicht.
Die Gewichtskraft lautet: $F_G = mg$
Masse: $70\mathrm{kg}$ bleibt überall gleich.
Gewichtskraft: $F_G = mg$ ändert sich mit der lokalen Gravitation.
Die Bewegungsgleichung lautet: $F = ma$
Gravitationskraft: $F_G = G\dfrac{M_E m}{R_E^2}$
Setzt man gleich: $G\dfrac{M_E m}{R_E^2}=ma$
Die Masse $m$ kürzt sich heraus: $a = G\dfrac{M_E}{R_E^2}=g$
Deshalb fallen schwere und leichte Körper im Vakuum gleich schnell.
Im Vakuum: Hammer und Feder fallen gleich schnell.
Auf der Erde mit Luft: Die Feder wird stark durch Luftreibung gebremst.
Die Gravitation selbst wirkt aber gleich.
In Wirklichkeit wirkt zusätzlich Luftreibung: $F_W \sim v^2$
Bei großen Geschwindigkeiten kann die Luftreibung die Gewichtskraft ausgleichen.
Dann entsteht Endgeschwindigkeit.
Beim Springen muss man gegen die Gravitation Arbeit leisten.
Potentielle Energie: $E_\mathrm{pot}=mgh$
Die Gravitation speichert Energie in Höhe.
Beispiele:
- Wasserkraftwerke
- angehobene Gegenstände
- Achterbahnen
- Staudämme
Im beschleunigten Aufzug ändert sich das scheinbare Gewicht.
Astronauten sind nicht gravitationsfrei.
Auf der ISS gilt noch ungefähr: $g_\mathrm{ISS}\approx 8{.}7\mathrm{m/s^2}$
Die Schwerelosigkeit entsteht, weil Raumstation und Astronauten gemeinsam frei fallen.
Die Gravitation nimmt mit Abstand ab: $g(h)=G\dfrac{M_E}{(R_E+h)^2}$
Für eine Kreisbahn um die Erde gilt: $v=\sqrt{\dfrac{GM_E}{R_E}}$
Einsetzen:
$v=\sqrt{\dfrac{6{.}674\cdot 10^{-11}\cdot 5{.}972\cdot 10^{24}}{6{.}371\cdot 10^6}}\mathrm{m/s}$
$v\approx 7900\mathrm{m/s}$
$v\approx 7{.}9\mathrm{km/s}$
Das ist die notwendige Geschwindigkeit für einen niedrigen Erdorbit.
Die Fluchtgeschwindigkeit lautet: $v_\mathrm{esc}=\sqrt{\dfrac{2GM_E}{R_E}}$
Da: $v_\mathrm{esc}=\sqrt{2}v_\mathrm{orbit}$
folgt: $v_\mathrm{esc}=1{.}414\cdot 7{.}9\mathrm{m/s}$
$v_\mathrm{esc}\approx 11{.}2\mathrm{km/s}$
Ein Körper mit mindestens $11{.}2\mathrm{km/s}$ kann das Erdgravitationsfeld verlassen.
Der Mond zieht die Erde unterschiedlich stark an.
Die mondnahe Seite wird stärker angezogen als die mondferne Seite.
Dadurch entstehen Gezeitenkräfte.
Die Gezeitenbeschleunigung ist näherungsweise: $a_\mathrm{Gezeit}\approx \dfrac{2GM_MR_E}{r^3}$
Mit: $M_M=7{.}348\cdot 10^{22}\mathrm{kg}$
$r=3{.}844\cdot 10^8\mathrm{m}$
$R_E=6{.}371\cdot 10^6\mathrm{m}$
folgt: $a_\mathrm{Gezeit}\approx 1{.}1\cdot 10^{-6}\mathrm{m/s^2}$
Das ist klein, reicht aber für Ebbe und Flut.
Im Erdinneren nimmt die Gravitation zunächst ab.
Für eine homogene Kugel gilt: $g(r)\sim r$
Im Mittelpunkt wäre: $g(0)=0$ , weil die Anziehung aus allen Richtungen symmetrisch ist.
Bei homogener Erde gilt: $F(r)\sim r$
Das entspricht einer harmonischen Schwingung.
Die Periodendauer wäre ungefähr: $T\approx 84\mathrm{min}$
Die Fallzeit durch den Erdmittelpunkt wäre: $\dfrac{T}{2}\approx 42\mathrm{min}$
Das ist ein berühmtes theoretisches Resultat.
Durch die Erdrotation entsteht Zentrifugalwirkung.
Am Äquator wird die effektive Gravitation kleiner.
Zentrifugalbeschleunigung: $a_Z=\omega^2R_E$
Mit: $\omega=\dfrac{2\pi}{86400}$
$\omega\approx 7{.}27\cdot 10^{-5}\mathrm{s^{-1}}$
Dann: $a_Z=(7{.}27\cdot 10^{-5})^2\cdot 6{.}371\cdot 10^6$
$a_Z\approx 0{.}034\mathrm{m/s^2}$
Die effektive Gravitation am Äquator ist also ungefähr: $9{.}81-0{.}034$
$g_\mathrm{eff}\approx 9{.}78\mathrm{m/s^2}$
Einstein beschreibt Gravitation als Raumzeitkrümmung.
Die Zeit vergeht in Gravitationsfeldern langsamer.
Für schwache Felder: $d\tau \approx dt\left(1-\dfrac{GM}{rc^2}\right)$
Das ist wichtig für GPS-Satelliten.
GPS-Satelliten bewegen sich schnell und befinden sich höher im Gravitationsfeld.
Dadurch laufen ihre Uhren anders als Uhren auf der Erde.
Die relativistischen Korrekturen betragen ungefähr: $38\mathrm{\mu s}$ pro Tag.
Ohne diese Korrektur würden Navigationsfehler von mehreren Kilometern pro Tag entstehen.
Im Alltag erleben wir Gravitation als:
- Gewicht
- Fallen
- Springen
- Wurfbewegungen
- Flüssigkeitsbewegung
- Atmosphärendruck
- Gezeiten
- Raumfahrt
Die Gravitation erscheint alltäglich „selbstverständlich“, ist aber tatsächlich eine fundamentale Wechselwirkung mit enormer Reichweite.
Die Gravitation auf der Erde wird beschrieben durch: $F_G=G\dfrac{M_Em}{r^2}$
An der Erdoberfläche ergibt sich: $g\approx 9{.}81\mathrm{m/s^2}$
Wichtige Formeln:
- Gewichtskraft : $F_G=mg$
- Geschwindigkeit bei konstanter Beschleunigung : $v=gt$
- Weg bei konstanter Beschleunigung : $s=\dfrac{1}{2}gt^2$
- Potentielle Energie im Schwerefeld der Erde : $E_\mathrm{pot}=mgh$
- 1. Kosmische Geschwindigkeit : $v_\mathrm{orbit}=\sqrt{\dfrac{GM_E}{R_E}}$
- 2. Kosmische Geschwindigkeit : $v_\mathrm{esc}=\sqrt{\dfrac{2GM_E}{R_E}}$
Wichtige Ergebnisse:
Fallbeschleunigung: $9{.}81\mathrm{m/s^2}$
erste kosmische Geschwindigkeit: $7{.}9\mathrm{km/s}$
Fluchtgeschwindigkeit: $11{.}2\mathrm{km/s}$
Gravitation auf ISS-Höhe: $8{.}7\mathrm{m/s^2}$
Gezeitenbeschleunigung des Mondes: $1{.}1\cdot 10^{-6}\mathrm{m/s^2}$
Die Gravitation bestimmt damit nahezu alle großskaligen Bewegungen auf und um die Erde und
verbindet alltägliche Erfahrungen direkt mit der Himmelsmechanik und der modernen Relativitätstheorie.